Wissenswertes

Die Stadt Pinneberg, Kreisstadt und mit über 43.000 Einwohner*Innen zweitgrößte Stadt des gleichnamigen Kreises (nach Elmshorn), liegt unmittelbar nordwestlich von Hamburg, mit guten Straßen- und Bahnverbindungen in die Hansestadt. Die Gegend ist seit der Eisenzeit besiedelt; seit dem 13. Jahrhundert gab es hier eine Burg, die 1360 in den Besitz der Grafen von Schauenburg überging. Die kleine Grafschaft Holstein-Pinneberg, die von hier aus regiert wurde, existierte bis 1640. Danach fiel Pinneberg an das Herzogtum Holstein, und der Ort wurde zum Amtssitz des Landdrosts, eines Statthalters des dänischen Königs und Herzogs von Holstein. In den 1760er Jahren wurde für diesen hohen Verwaltungsbeamten die Drostei errichtet. Das prächtige schlossartige Gebäude gehört zu den bedeutendsten Beispielen barocker Architektur in Schleswig-Holstein und beherbergt heute das Kulturzentrum des Kreises Pinneberg: Hier finden Kunstausstellungen, Lesungen und Konzerte statt.

Der Ort blieb trotz seiner Funktion als Verwaltungszentrum zunächst klein und erhielt erst 1826 das Fleckensprivileg und 1875 die Stadtrechte. Als 1844 mit der Altona-Kieler Eisenbahn die erste Bahnverbindung im damaligen Dänemark eröffnet wurde, erhielt Pinneberg seinen Bahnhof – das Gebäude besteht bis heute und ist damit das älteste Bahnhofsgebäude in Schleswig-Holstein. Im 20. Jahrhundert stieg die Einwohner*Innenzahl rasant auf den heutigen Stand an, insbesondere nach Ende des 2. Weltkriegs, als wie überall in Schleswig-Holstein große Zahlen an Vertriebenen in die Stadt zogen. Bis heute erinnert das Samlandmuseum (Fahltskamp 30) an die ostpreußische und damit indirekt auch die schleswig-holsteinische Geschichte.

Mitten im Stadtzentrum, in der „Dingstätte“ genannten Fußgängerzone, befindet sich im ehemaligen Amtsgericht das Pinneberg Museum, das über die Geschichte der Stadt von der Frühgeschichte bis in die Gegenwart informiert, aber auch die Kultur im Blick hat und die Nachlässe von Pinneberger Künstlern wie Rudolph Grothkop und Günther Thiersch verwahrt. Auch die Autorin Sophie Wörishöffer wurde hier schon in einer Sonderausstellung vorgestellt.

Literarisches

Der bedeutende Politiker und Schriftsteller der Aufklärung August Adolph von Hennings wurde 1746 in Pinneberg geboren. Der spätere Amtmann in Plön und Administrator in Barmstedt war mit Klopstock und Voß bekannt und ein scharfer Kritiker des Emkendorfer Kreises, der sich mit dessen bekanntestem Vertreter Matthias Claudius eine langjährige publizistische Fehde lieferte.

Adelbert Heinrich von Baudissin, der Verfasser historischer Romane und mehrerer Schriften über die schleswig-holsteinische Zeitgeschichte, war nach seiner Rückkehr aus dem US-amerikanischen Exil ab 1864 Landdrost in Pinneberg. Er ist der Onkel des Schriftstellers Hermann Heiberg.

Die bereits erwähnte Sophie Wörishöffer wurde 1838 in der Stadt geboren. Sie war eine Cousine von Detlev von Liliencron und machte sich als Verfasserin von Jugendromanen einen Namen. Um den Absatz ihrer an ein männliches Publikum gerichteten Werke nicht zu gefährden, wurde dieser Name jedoch entstellt: Sie veröffentlichte ihre Abenteuergeschichten unter dem geschlechtsneutralen Kürzel „S. Wörishöffer“ und wurde auch „der Karl May von Altona“ genannt.

Der vor allem in der Weimarer Republik und der Nazizeit, aber auch danach erfolgreiche Autor Werner von der Schulenburg wurde 1881 in Pinneberg geboren. Er lebte seit 1919 in Italien, dessen Geschichte und Kultur auch oft Gegenstand seiner Werke ist.

In der Umgebung

Von Pinneberg aus führen kurze Wege in die Hansestadt Hamburg, aber auch nach Elmshorn und Quickborn (jeweils ca. 15 km). Im Westen der Stadt liegt Haseldorf - hier residierte einst der „Dichterprinz aus der Haseldorfer Marsch“ Emil von Schoenaich-Carolath, der prominente Gäste wie Rainer Maria Rilke bei sich empfing. Im Südwesten am Ufer der Elbe liegt schließlich Wedel, die Stadt von Johann Rist und Ernst Barlach.

4.2.2022 Jan Behrs