Wissenswertes

Elmshorn ist mit über 50.000 Einwohner*Innen die sechstgrößte Stadt Schleswig-Holsteins und kann sich zudem mit der höchsten Bevölkerungsdichte des Landes brüsten – ein wirklich urbaner Standort also, dessen Geschichte und Gegenwart vor allem von der Industrie geprägt sind. Wenngleich die Stadt im Kreis Pinneberg ihre heutige Gestalt hauptsächlich während der Industrialisierung annahm, ist sie aber älter: Zuerst wurde ein Ort namens „Elmeshorne“ im Jahr 1141 erwähnt, und im 14. Jahrhundert wurde der Vorgänger der heutigen Nikolaikirche errichtet. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Stadt immer wieder von Pest, Feuersbrünsten und Kriegszerstörungen heimgesucht. Dennoch entstand allmählich ein bedeutender Wirtschaftsstandort, der seine Bedeutung vor allem aus seiner Lage bezog: Der Fluss Krückau, der durch das Stadtzentrum fließt und westlich von Elmshorn in die Elbe mündet, war schiffbar, was die Stadt zu einem bedeutenden Seehandelsstandort machte. Besonders der Walfang vor Grönland wurde im 19. Jahrhundert für die Stadt wichtig, die bis heute ein stilisiertes Walfangschiff im Wappen führt. Bereits 1844 wurde die Bahnstrecke von Altona nach Kiel eröffnet. Ein Jahr später folgte ein erster Abschnitt der Marschbahn von Elmshorn nach Glückstadt (später bis nach Westerland), und 1907 dann die Verbindung nach Barmstedt und Bad Oldesloe. Elmshorn wurde so auch auf dem Landweg zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt, und dementsprechend siedelte sich viel Industrie an: Neben dem Schiffbau wurden insbesondere die Lederindustrie sowie die Nahrungsmittelproduktion bedeutend. Das Industriemuseum Elmshorn widmet sich diesem Teil der Stadtgeschichte und veranschaulicht in einem alten Speichergebäude direkt am Bahnhof in der Catharinenstraße 1 die Vergangenheit und Gegenwart des produzierenden Gewerbes. Das „Konrad-Struve-Haus“, eine Außenstelle des Museums in der Bismarckstraße 1, zeigt andere Aspekte der Elmshorner Geschichte und geht dabei bis in die Steinzeit zurück. Die jüdische Friedhofshalle (Feldstr. 42) wird ebenfalls vom Industriemuseum verwaltet – sie widmet sich der Geschichte der jüdischen Gemeinde Elmshorns, die in der Nazizeit ausgelöscht wurde und erst seit 2003 wieder besteht. Im Stadtarchiv kann man sich eingehender über die Geschichte der Stadt informieren – hier werden nicht nur alte Zeitungen (die bis heute bestehenden Elmshorner Nachrichten gibt es seit 1851) und Verwaltungsdokumente, sondern auch 1,5 Millionen Fotos sowie Tonaufnahmen, Stadtpläne und dergleichen verwahrt.

Literarisches

Die allgemeine Geschichte der Stadt lässt es schon erahnen: Elmshorn ist ein Industriestandort, kein literarischer Musentempel. Dennoch hat eine Stadt dieser Größe natürlich auch eine literarische Tradition: 1795 wurde hier der Prediger und Schriftsteller Johann Christoph Biernatzki geboren, der später auf den Inseln Nordstrand und Nordstrandischmoor sowie in Friedrichstadt wirkte.

Der im Norden bis heute geläufige Autor Timm Kröger, der in seinen Novellen das bäuerliche Leben in Holstein schildert, lebte von 1880 an für 12 Jahre in Elmshorn. Nach ihm ist heute nicht nur eine Straße, sondern auch eine Grundschule in der Stadt benannt. Mit Kröger bekannt war eine weitere Elmshornerin, die 1840 in der Stadt geborene Luise Schenck. Die Tante von Ernst Barlach verbrachte mehrere Jahrzehnte in Südamerika und machte sich nach ihrer Rückkehr nach Hamburg einen Namen als Autorin Brasilianischer Novellen.

Wolfgang Sieg (1936-2015), der als Autor von nieder- und hochdeutschen Hörspielen und Romanen sowie als Kolumnist für Pardon und die taz bekannt wurde, arbeite viele Jahre als Lehrer in Elmshorn und lebte abwechselnd in der Stadt und auf einem Bauernhof im nahegelegenen Seester.

In der Umgebung

Elmshorn gehört zur Metropolregion Hamburg und ist per Regionalbahn hervorragend an die Hansestadt angeschlossen. Wer andere Verkehrsmittel bevorzugt, hat es von Elmshorn nicht weit zu gleich drei internationalen Radwanderwegen: Der Ochsenweg, der Elberadweg (D 10) sowie der Nordseeküsten-Radweg (EV 12) führen alle dicht an der Stadt vorbei. In unmittelbarer Nähe zu Elmshorn befinden sich weitere literarische Orte wie Glückstadt, Itzehoe oder Barmstedt, Geburtsort von Matthäus Friedrich Chemnitz. Südlich der Stadt liegt Haseldorf, wo einst der „Dichterprinz aus der Haseldorfer Marsch“ Emil von Schoenaich-Carolath residierte und Gäste wie Rainer Maria Rilke empfing.

4.9.2021 Jan Behrs