WISSENSWERTES

Die Kreisstadt und nach Ahrensburg zweitgrößte Stadt des Kreises Stormarn liegt etwa auf halbem Weg zwischen Hamburg und Lübeck beidseits der Trave. Die Gegend ist seit der Steinzeit besiedelt, und die vielen archäologischen Funde von hier gaben der vorgeschichtlichen Kultur, die sie hinterlassen hat, ihren Namen: Oldesloer Gruppe. Es gibt Hinweise darauf, dass der antike Ort Treva, der gemeinhin als Vorläufer der Stadt Hamburg angesehen wird und bereits dem Geografen Ptolemäus bekannt war, in Wirklichkeit auf dem jetzigen Gebiet von Bad Oldesloe gelegen haben könnte. Der heutige Ort wird jedenfalls zum ersten Mal 1163 erwähnt, und er scheint von Anfang an ein wichtiger Handelsplatz an der Nordsee-Ostsee-Straße zwischen den Hansestädten Hamburg und Lübeck gewesen zu sein. Bereits 1238 erhielt Oldesloe das lübische Stadtrecht.

1798 fielen große Teile der Stadt einem Brand zum Opfer und wurden in den folgenden Jahren »sehr gefällig« neu erbaut, wie ein Reisender 1852 schrieb. #1 Seit der Mitte des 12. Jahrhunderts wurde in der Oldesloer Saline Salz gewonnen. Die Ausbeute war allerdings gering und konnte sich kaum gegen die Konkurrenz Lüneburgs behaupten. Der Salinendirektor und Apotheker Friedrich August Lorentzen erbohrte 1812 auf eigene Kosten in unmittelbarer Nachbarschaft eine Schwefelquelle und errichtete »mit gut eingerichteten Gebäuden« einen Kur-Badebetrieb, der mit königlich dänischer Unterstützung schnell regionale Bekanntschaft gewann #2 und knapp hundert Jahre später 1910 zur Verleihung des Namensteils „Bad“ führte. Seitdem ist der Kurbetrieb aber eingestellt worden. Nach der schweren Bombardierung Hamburgs im Zweiten Weltkrieg wurde 1943 die Verwaltung des Kreises Stormarns zunächst provisorisch nach Bad Oldesloe verlegt; seit 1949 ist es auch offiziell Kreisstadt. Nach Kriegsende wuchs die Bevölkerung rasant auf heute etwa 25.000 Einwohner*Innen.

Die Innenstadt mit historischem Rathaus, Markt, Stadtverwaltung sowie der Touristeninformation (Beer-Yacov-Weg 1) befindet sich auf einer Traveinsel. Unmittelbar südlich davon liegt der Kirchberg mit der Peter-Paul-Kirche. Das heutige Kirchengebäude wurde Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet, aber die Vorgängerbauten reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück – die (heute nicht mehr exisiterende) erste Kirche der Stadt wurde 1150 von keinem geringeren als Vicelin, dem Missionar der ostholsteinischen Slawen, eingeweiht. Nicht weit entfernt befindet sich im Gebäude der alten Stadtschule das Heimatmuseum der Stadt. Es widmet sich hauptsächlich der Vor- und Frühgeschichte sowie der Geschichte Bad Oldesloes.

Im Stadtteil Altfresenburg liegt die Menno-Kate, ein Museum, das Menno Simons, dem Namensgeber der mennonitischen Religionsgemeinschaft gewidmet ist. Simons verbrachte seine letzten Lebensjahre in Holstein und fand zuletzt Zuflucht vor religiöser Verfolgung auf dem heute zu Oldesloe gehörenden Gut Fresenburg. Ob er in der Kate selbst gewohnt hat, ist unklar, aber es steht fest, dass in der hier beheimateten Druckerei mennonitische Schriften gedruckt wurden.

LITERARISCHES

Der wohl bekannteste Literat mit Bezug zur Stadt ist der Historiker Theodor Mommsen (1817-1903), der zwar in Garding geboren wurde, aber in Oldesloe in eher beengten Verhältnissen aufwuchs. Nachdem er seine Kindheit in der Stadt verbracht hatte, besuchte er die Schule in Altona und lebte später in Kiel und Rendsburg, bevor er außerhalb von Schleswig-Holstein seine wissenschaftliche Karriere fortsetzte. 1902 erhielt er für seine Römische Geschichte den Nobelpreis für Literatur. In Bad Oldesloe ist die Theodor-Mommsen-Schule, ein Gymnasium, ebenso nach ihm benannt wie eine Straße unmittelbar am Bahnhof.

Ludwig Frahm, der Sammler von norddeutschen Sagen und Autor niederdeutscher Gedichte und Humoresken, war von 1882 bis 1890 Lehrer in Rethwischfeld (heute Teil von Bad Oldesloe).

Der vor allem durch seine Radioprogramme bekannte Satiriker und Maler Heino Jaeger wurde, nachdem er seine Hamburger Wohnung niedergebrannt hatte, in den 1980er Jahren zunächst in die geschlossene Psychiatrie und später in das Sozialpsychiatrische Pflegeheim „Ingrid“ in Bad Oldesloe eingewiesen. Er starb hier 1997 und wurde auf dem nahegelegenen Friedhof der Stadt beigesetzt.

IN DER UMGEBUNG

Bad Oldesloe liegt, wie bereits erwähnt, auf halbem Weg zwischen Hamburg und Lübeck– beide Städte sind etwa 30 km entfernt. Im Nordosten, in Richtung Lübeck, liegt in nur 10 km Entfernung Reinfeld, der Geburtsort von Matthias Claudius. Im Südwesten, in Richtung Hamburg, liegen außerdem Bargteheide und Tremsbüttel, das Gut von Christian Graf zu Stolberg und eine Station von Ludwig Frahm vor dessen Oldesloer Zeit.

20.4.2021Jan Behrs

ANMERKUNGEN

1 Hoffmann, Peter Friedrich Ludwig: Der Hamburgische Tourist. Ein ausführlicher Wegweiser für Lustreisende durch Hamburgs Umgebungen. Hamburg 1852, S. 146

2 Ebd., S. 147.