WISSENSWERTES

Die mit über 34.000 Einwohnern größte Stadt des Kreises Stormarn liegt direkt an der Hamburger Stadtgrenze und ist an das Hamburger U-Bahn-Netz angeschlossen. Die Gegend ist seit der Altsteinzeit bewohnt, und die hier lebenden Rentierjäger hinterließen so viele Spuren, dass diese menschliche Entwicklungsstufe „Ahrensburger Kultur“ genannt wird. Unter dem Namen „Woldenhorn“ wurde die heutige Siedlung zuerst im Jahr 1314 urkundlich erwähnt. Ab 1327 war sie Teil des Klosters Reinfeld. Nach der Säkularisation im 16. Jahrhundert fiel Woldenhorn in den Besitz der Familie Rantzau, die das Gut Ahrensburg mit dem bis heute bestehenden Wasserschloss errichtete. 1759 mussten die in finanziellen Schwierigkeiten befindlichen Rantzaus das Gut an den Kaufmann und dänischen Regierungsberater Heinrich Carl von Schimmelmann verkaufen, der als Plantagenbesitzer in der Karibik sowie durch Waffen- und Sklavenhandel extrem vermögend wurde und als einer der reichsten Männer Europas galt. Er ist der Vater der Schriftstellerinnen Caroline Gräfin Baudissin und Julia von Reventlow. Schimmelmann gestaltete das Schloss und den Ort im Stil des Barock um, was das Stadtbild bis heute prägt. Ein Däne, der um 1810 durch sein Vaterland wanderte - das Gebiet war damals dänisch - schrieb über das Gut Ahrensburg und Woldenhorn:

Die Gegend ist nicht schön, aber fruchtbar. Das Schloß ist im alten Styl gebaut. Der Garten ist ebenfalls alt, und die steifen hegebüchenen Hecken sind zur Höhe des Baums aufgewachsen. [...] Das Dorf Woldenhorn hat ein freundliches Ansehn. Der, einem Stadtmarkt ähnliche Theil, welcher im Viereck mit Häusern eingeschlossen ist, imponirt. [...] Vormals war Ahrensburg von allen Seiten, bis auf die nach Hamburg hin, mit dichten Waldungen umgeben, und das Dorf lag in einem Winkel derselben. (Daher Woldenhorn, von Wold, Wald und Hörn, Winkel). Im vorigen Jahrhundert sind sie fast alle verhauen.

Anonym: Meine Wanderung durchs Vaterland. - In: Neue Schleswig-Holsteinische Provinzialberichte. Jg. 3 (Kiel 1813), S. 668 f.

1865 wurde der Ort an die Hamburg-Lübecker Eisenbahn angeschlossen, und zwei Jahre später wurde er zur selbständigen Gemeinde und nahm seinen heutigen Namen an. In der Folge wuchs die Einwohnerzahl stark an, insbesondere nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, und 1949 erhielt die Gemeinde das Stadtrecht. Bis heute erfreut sich die Stadt als Hamburger Randgemeinde eines anhaltenden Bevölkerungswachstums.

Die größte touristische Attraktion im Stadtzentrum ist eindeutig das von einem Wassergraben eingefasste Schloss, das eigentlich ein Herrenhaus ist und eines der wichtigsten Renaissancegebäude in Schleswig-Holstein darstellt. Es ist für die Öffentlichkeit zugänglich und beherbergt ein Museum, das über die schleswig-holsteinische Adelskultur informiert. Das Schloss ist von einem Park sowie einem zum Gut gehörenden Gebäudeensemble umgeben: In den 1590er Jahren wurden die Schlosskirche sowie die sogenannten Gottesbuden, Wohngebäude für bedürftige Gutsangehörige, gebaut. 1846 erweiterte man das Ensemble um den Marstall, der heute das Kulturzentrum der Stadt Ahrensburg ist.

Am westlichen Rande der Innenstadt in der Manfred-Samusch-Straße befinden sich Rathaus, Stadtbücherei und Stadtarchiv.

LITERARISCHES

Auf der literarischen Landkarte erscheint Ahrensburg erst recht spät: Weitgehend ist in Vergessenheit geraten, dass der Buchhändler und Redakteur der Stormarnschen Zeitung in Ahrensburg, Ernst Heinrich Ziese, nach dem Vorbild von Theodor Storm und Karl Müllenhoff in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die „Sagen, Märchen und Erzählungen aus dem Gute Ahrensburg und dem Kreise Stormarn“ zu sammeln begann und sie 1882 im Anhang seiner Geschichte Ahrensburgs publizierte.

1880 wurde der durch die Biene Maja weltberühmte Schriftsteller Waldemar Bonsels in Ahrensburg geboren. Bonsels verbrachte allerdings nur wenige Kindheitsjahre in der Stadt, bevor seine Familie nach Berlin und dann nach Kiel zog. Im Stadtteil West ist der Waldemar-Bonsels-Weg nach ihm benannt. Das Geburtshaus Bonsels’ musste 1974 einem Neubau weichen. Heute erinnert nur noch eine Gedenktafel an die Stelle (Hamburger Str. 10).

1957 ist Hellmuth von Mücke in Ahrensburg gestorben. Der Marineoffizier, der im Ersten Weltkrieg als Erster Offizier auf der Emden seine Männer, um der Gefangenschaft entgehen, auf abenteuerlichen Wegen vom Indischen Ozean bis nach Konstantinopel brachte und darüber mehrere Bücher schrieb, wurde später entschiedener Gegner des Nationalsozialismus und erhielt schon 1933 Schreib- und Redeverbot.

1998 ist hier der niederdeutsche Autor Friedrich Hans Schaefer gestorben, der seit 1950 Berufsschullehrer in Ahrensburg war. Mit seinen Geschichten, Hörspielen und Theaterstücken gehörte er zu den produktivsten Autoren in niederdeutscher Sprache.

Der in Lübeck geborene Dichter, Filmemacher, Musiker und Professor für Medientheorie und ‑praxis Klaus Peter Dencker lebte seit 1985 bis zu seinem Tod 2021 in Ahrensburg.

Die Romanautorin und Erzählerin Angelika Klüssendorf wurde 1958 in Ahrensburg geboren, wuchs aber in der DDR auf.

Der Lyriker Jan Wagner, 1971 in Hamburg geboren, wuchs in Ahrensburg auf und legte sein Abitur an der Stormarnschule ab. Er wurde unter anderem mit dem Preis der Leipziger Buchmesse (2015), dem Georg-Büchner-Preis (2017) sowie 2009 mit dem Wilhelm-Lehmann-Preis ausgezeichnet.

Ebenfalls 1971 wurde Simon Voß geboren, der als Lehrer in Ahrensburg arbeitet und sich in seinem Kriminalroman Dezemberkälte mit dem Matrosenaufstand in Kiel auseinandergesetzt hat.

IN DER UMGEBUNG

Nördlich von Ahrensburg liegt in etwa 10 km Entfernung Bargteheide, wo der junge Siegfried Lenz seine Studentenbude hatte. Unmittelbar benachbart ist Tremsbüttel, das Gut von Christian Graf zu Stolberg-Stolberg. Fährt man von Ahrensburg nach Südosten, gelangt man nach Trittau, dessen Literaturgeschichte mit dem Barockdichter Christian von Stökken, dem Pädagogen Johann Heinrich Campe sowie in jüngerer Zeit mit Arno Surminski verbunden ist. Etwas weiter nördlich liegt Gröhwohld, wo der nationalsozialistisch belastete Heimatdichter Hermann Claudius seine letzten Lebensjahrzehnte verbrachte.

19.4.2021 Jan Behrs, Wolfgang Griep