Wissenswertes

Die Kreisstadt und größte Stadt des Kreises Steinburg liegt ziemlich genau in dessen Mitte am Ufer der Stör, die etwa 15 km weiter westlich in die Elbe mündet. Dass Itzehoe mit langem „O“ am Ende ausgesprochen wird, hat sich mittlerweile herumgesprochen – die Zeiten, als Friedrich Schiller in seinem Wallenstein „Mußjö“ auf „Itzehö“ reimen konnte, sind wohl vorbei. Schon zu Schillers Zeiten war die Stadt aber nicht irgendein entlegener Provinzort, sondern konnte auf eine lange Geschichte zurückblicken – die Wurzeln der Siedlung gehen auf eine Burg Echeho aus dem 11. Jahrhundert zurück. Bereits 1238 erhielt der Ort das Stadtrecht und war damit beispielsweise Kiel um vier Jahre und Eutin um fast 20 Jahre voraus. In dieser Zeit entstand auch die Laurentii-Kirche im Stadtzentrum: Sie wurde 1196 zuerst erwähnt und mit der Ansiedelung des Zisterziensierinnenklosters 1263 zur Klosterkirche. Die blühende Handelsstadt konnte den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges entgehen, wurde dann aber 1657 im sich anschließenden Dänisch-Schwedischen Krieg fast komplett zerstört. Der Kreuzgang im bis heute bestehenden Adeligen Kloster (Klosterhof 7) ist daher das einzige Überbleibsel aus der mittelalterlichen Blütezeit der Stadt.

Im Zuge der Eisenbahnanbindung (1857) und der darauf folgenden Industrialisierung wuchs die Stadt rasant, und nachdem Schleswig-Holstein preußisch wurde, wurde Itzehoe außerdem Garnisonsstadt – während der Nazizeit wurden weitere Kasernen hinzugefügt. Dennoch blieb die Stadt im Zweiten Weltkrieg überwiegend von Bombenangriffen unbehelligt, was dazu führte, dass ausgebombte Flüchtlinge aus Hamburg und Kiel hier untergebracht wurden. Nach dem Ende des Krieges folgten Umsiedler*Innen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, sodass die Einwohnerzahl rasch anwuchs und das Stadtbild sich durch zahlreiche Neubauten stark veränderte. Heute hat Itzehoe etwa 31.000 Einwohner*Innen.

Im Prinzeßhof, einem ehemaligen adeligen Palais aus dem 16. Jahrhundert, befindet sich heute das Kreismuseum des Kreises Steinburg, das über die Geschichte Itzehoes informiert. Es widmet sich nicht nur der Alltags- und Industriegeschichte des Kreises, sondern auch der Literatur, namentlich dem niederdeutschen Schriftsteller Johann Hinrich Fehrs aus dem nahegelegenen Mühlenbarbek.

Von 1907 bis zu seinem Tod 1934 lebte der expressionistische Künstler Wenzel Hablik in Itzehoe. 1995 öffnete in der Stadt das Wenzel-Hablik-Museum (Reichenstr. 21) seine Türen, das an ihn und seine Frau, die Textilkünstlerin Elisabeth Lindemann, erinnert. Es verfügt über die umfangreichste Sammlung von Werken Habliks und zeigt Ölgemälde, Grafiken, Textilarbeiten sowie architektonische Entwürfe.

Auf dem Gelände der ehemaligen Zementfabrik Alsen befindet sich das Kulturprojekt „Planet Alsen“, das sich bemüht, das Areal für eine alternativ-kulturelle Nutzung zu erhalten und dabei in Konflikt mit der Stadt Itzehoe geraten ist, die andere Pläne hat.

Literarisches

Im 18. Jahrhundert ließ sich ein junger Schriftsteller der Aufklärung in Itzehoe nieder, nachdem er zuvor in Hamburg und Frankfurt (Oder) sein Glück versucht, aber keinen Erfolg gehabt hatte. Der junge Mann mit dem Allerweltsnamen Johann Gottwerth Müller baute hier ein schriftstellerisches Netzwerk auf, das unter anderem Heinrich Christian Boie und Johann Heinrich Voß umfasste, und wurde als „Müller von Itzehoe“ bekannt. Sein bekanntestes Werk war Siegfried von Lindenberg, ein Erfolgsroman, dem zahlreiche weitere folgten (viele davon im Verlag des Berliner Aufklärers Friedrich Nicolai). In seinem Heimatort machte sich Müller durch die Gründung einer Lesegesellschaft sowie eines Buchladens verdient. Obwohl er mit seiner Schriftstellerei kaum seine große Familie ernähren konnte und auf dänische Stipendien angewiesen war, gelang es ihm, eine gewaltige Privatbibliothek aufzubauen. Müller ist im direkt an Itzehoe angrenzenden Münsterdorf begraben.

Im Jahr 1809 wurde die später am Zürichsee lebende Schriftstellerin Eliza Wille in Itzehoe geboren. Der Holsteiner Aufenthalt ihrer eigentlich in Hamburg ansässigen Familie dauerte nur kurz, aber Wille, die nach der gescheiterten Revolution 1848 in die Schweiz flüchtete, hat in ihren Werken immer wieder mit Sehnsucht in Richtung Norden geblickt.

Der neben Müller von Itzehoe vielleicht bekannteste mit der Stadt verbundene Schriftsteller ist der bereits erwähnte Johann Hinrich Fehrs (1838-1916) - der Autor niederdeutscher Lyrik und Prosa gründete hier 1865  eine Privatschule, die 1904 von der Stadt übernommen wurde und bis heute als Auguste Viktoria Schule besteht. Fehrs wurde 1913 zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Fehrs ist in Itzehoe begragen, und im Cirencester-Park erinnert ein Denkmal an ihn.

Ebenfalls hauptsächlich als Pädagogin tätig war die acht Jahre nach Fehrs geborene Emma Schmidt (1846-1934), in Itzehoe lange Zeit unter dem Namen „Tante Emma“ berühmt. Sie eröffnete im späten 19. Jahrhundert einen Kindergarten mit angeschlossener Privatschule und veröffentlichte zahlreiche Bücher meist christlich-erbaulicher Art. Sie setzte sich auch mit der Geschichte ihrer Heimatstadt auseinander und veröffentlichte zum 1100-jährigen Jubiläum der Stadt 1910 einen Band Aus Itzehoes Vergangenheit.

Der expressionistisch-dadaistische Dichter Hans Leybold war 1914 in der Garnison Itzehoe stationiert, als er im jungen Alter von 22 Jahren sein Leben beendete. Sein schmales Werk zeichnet sich durch für das Dichterland Schleswig-Holstein eher untypische urbane Themen aus, und er gab in München die kurzlebige Zeitschrift Revolution heraus, für die u.a. auch Erich Mühsam schrieb.

Der 1904 geborene Schriftsteller Bodo Uhse verbrachte in Itzehoe eine Station seiner politisch schillernden Karriere: Als rechtsradikaler Journalist und Politiker, der schon 1927 in die NSDAP eintrat, wurde er Chefredakteur der neu gegründeten nationalsozialistischen Schleswig-Holsteinischen Tageszeitung mit Sitz in Itzehoe. Hier entwickelte er sich unter dem Eindruck der Landvolkbewegung rasch zu einem Vertreter des linken Flügels der NSDAP, bevor er sich intensiv mit dem Kommunismus auseinandersetzte, zum Leninisten wurde und 1930 die Partei verlassen musste. Nach der Machtergreifung der Nazis ging Uhse ins Exil nach Frankreich, in die USA und nach Mexiko; nach dem Krieg ließ er sich in der DDR nieder.

In derselben Zeit pendelte auch Ernst von Salomon zwischen Itzehoe und Berlin: Er schrieb im Auftrag der aufständischen Bauern für deren Zeitung Das Landvolk und war damit ein direkter Konkurrent von Uhse. Zwischen seinem Bruder Bruno von Salomon, dem Chefredakteur des Landvolks, und Uhse kam es später zu einer Annäherung: beide wurden Kommunisten, kämpften weiter für die Sache der Bauern und gingen gemeinsam ins Exil. Ernst von Salomon wurde 1930 angeklagt, weil er mit einer vor dem Reichstag gezündeten Bombe das Landvolk unterstützen wollte. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte er einige Zeit auf Sylt und schrieb dort seinen Bestseller Der Fragebogen.

In der Umgebung

Fans von Johann Hinrich Fehrs haben es von Itzehoe aus nicht weit zu einer anderen Wirkungsstätte des Dichters: Im 12 km entfernten Mühlenbarbek wurde Fehrs geboren, und der Ort ist (als „Ilenbeck“) Schauplatz vieler seiner Werke, darunter der Roman Maren. Von Mühlenbarbek sind es dann nur wenige Kilometer in die Kleinstadt Kellinghusen, die literarisch vor allem als Wohnort von Detlev von Liliencron bekannt ist.

In Richtung Süden gelangt man ins industriell geprägte Elmshorn, wo AutorInnen wie Timm Kröger, Luise Schenck und Wolfgang Sieg wirkten.

Im Norden liegt in etwa 12 km Entfernung das winzige Dorf Kaisborstel, der langjährige Wohnort von Günter Kunert. In dieselbe Richtung geht es weiter nach Hanerau-Hademarschen, bekannt als letzter Wohnsitz von Theodor Storm.

1.9.2021 Jan Behrs