WISSENSWERTES

Die kleine Stadt Kellinghusen (8.100 EinwohnerInnen) liegt am Übergang zwischen Marsch und Geest, der hier recht dramatisch ausfällt: Bis zu 35 Meter Höhenunterschied sind im Stadtgebiet zu überwinden, sodass die idyllische Bergstraße im Stadtzentrum ihren Namen durchaus zu Recht trägt. Vermutlich bereits zur Zeit Karls des Großen siedelten sich hier Flößer und Handwerker an, im Jahr 1148 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Kellinghusen zu einem Zentrum der dänischen Keramikherstellung und wurde besonders für seine prächtigen Fayencen bekannt. Das Handwerk ist bis heute in der Stadt vertreten, die deswegen mit Stolz den Beinamen „Keramikstadt“ führt. Das städtische Museum widmet sich sowohl der ruhmreichen Tradition als auch der gegenwärtigen Keramikproduktion; einige derzeit aktive Werkstätten sind über den Keramik-Rundgang erreichbar, der auch das historische Tonabbaugebiet im Stadtpark erschließt.

Im 1844 wurde die Gegend an die Eisenbahn angeschlossen und 1862 ein Hafen an der Stör errichtet - beides beförderte die Industrialisierung der Stadt. 1877 erhielt das nun preußische Kellinghusen die Stadtrechte. Heute bildet der Ort ein Unterzentrum im Kreis Steinburg, unweit der Kreisstadt Itzehoe.

Zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt gehören die teilweise auf das 13. Jahrhundert zurückgehende Kirche St. Cyriacus und das alte Rathaus aus dem Jahr 1908, das historistische und Jugendstilelemente miteinander vereint. Das in den 1980er Jahren errichtet Bürgerhaus in der Hauptstraße beherbergt das bereits erwähnte Museum, die Stadtbücherei und die Touristeninformation INFO Kellinghusen. Die Stadt liegt am touristisch gut erschlossenen Naturpark Aukrug.

LITERARISCHES

In der Literaturgeschichte erscheint Kellinghusen schon recht früh – der Autor religiöser Erbauungsbücher Paulus Egardus (1578/79–1655), später Rektor der Lateinschule in Rendsburg und Pastor in Nortorf, stammt von hier. Über seine Lebensumstände ist jedoch nicht viel bekannt, und in seinem umfangreichen Werk spielt die Geburtsstadt keine Rolle.

Das Verdienst, Kellinghusen erstmals auf die literarische Landkarte gebracht zu haben, gebührt daher Detlev von Liliencron (1844–1909), der 1883 nach Stationen in Kiel, Eckernförde und Pellworm als Verwaltungsbeamter in die Stadt kam und auch nach seiner Entlassung aus dem Dienst bis 1890 hier lebte. Liliencron, der in Kellinghusen „unter erbärmlichen Bedingungen ein Dasein fristete“ (Kay Dohnke), wurde mit der Stadt nicht glücklich und hat sie in seinen Schriften teilweise mit despektierlichen Pseudonymen wie „Schmierfetten“ oder „Abdera“ belegt. Dennoch haben Stadt und Umland deutliche Spuren in seinen Werken hinterlassen, und einige seiner wichtigsten Texte entstanden hier, etwa die Gedichtsammlung Der Haidegänger und die Erzählungen Unter flatternden Fahnen.

Eins von Liliencrons ehemaligen Wohnhäusern befindet sich in am Rand der Innenstadt in der Neuen Straße 13, später hat er in der Lehmbergstraße und der Overndorfer Straße 35, westlich des Stadtzentrums, gewohnt. Auf der anderen Seite der Stör ist eine Straße nach ihm benannt, und von 1964 bis 2008 trug eine heute geschlossene Kaserne der Bundeswehr den Namen des soldatischen Dichters.

Mehr als ein halbes Jahrhundert nach Liliencrons Wegzug wurde in Kellinghusen der Schriftsteller und bildende Künstler Manfred Schlüter geboren, der vor allem durch seine Kinderbücher und Illustrationen bekannt ist und heute in Hillgroven in Dithmarschen lebt.
Die hauptsächlich mit Kiel verbundene hoch- und niederdeutsche Autorin Lotte Brügmann-Eberhardt lebte von 1971 bis 1978 in Kellinghusen.

In der Umgebung

Kellinghusen liegt nur 15 Kilometer von der auch literarisch bedeutsamen Kreisstadt Itzehoe entfernt. In südlicher Richtung liegen Glückstadt (25 km), Elmshorn (20 km) und Kaltenkirchen (20 km), im Norden Heide (50 km) und Neumünster (20 km). Ganz in der Nähe befindet sich außerdem ein weiterer literarisch bedeutender Ort: Johann Hinrich Fehrs‘ wichtigstes Werk, der niederdeutsche Roman Maren, spielt im nur 3 km entfernten Mühlenbarbek (im Roman: „Ilenbek“), wo Fehrs auch geboren ist.

27.11.2021Jan Behrs