Wissenswertes

Das Gemeindegebiet Pellworms besteht aus der gleichnamigen Insel und den südlich von ihr liegenden Halligen Süderoog und Südfall. Pellworm ist die drittgrößte nordfriesische Insel und war bis zur großen Sturmflut 1634 Teil der damals zerstörten Insel Strand. Rund 1.200 Insulaner*Innen bewohnen das etwa 38 Quadratkilometer große Eiland. Aufgrund ihrer Lage von einem Meter unter dem Meeresspiegel ist Pellworm auf einen acht Meter hohen Deich angewiesen, der die gesamte Insel umrundet. Köge gliedern den insularen Lebensraum, der geprägt ist vom Wattenmeer und grünen Wiesen. Einen Sandstrand sucht man hier vergebens.

Wie kaum ein anderer Ort in Schleswig-Holstein ist Pellworm beeinflusst vom Klima und vom Meer - ein Umstand, den ein Jahrgang der Henri-Nannen-Journalistenschule 2020 im Projekt „Einen Meter unter dem Meer“ aufgriff und der Frage nachging, welche Auswirkungen die Klimakrise auf diesen schon jetzt von ihr betroffenen Lebensraum hat. Bild und Leben der Insel waren stets geprägt von der Landwirtschaft. Grüne Wiesen wurden von jeher für den Anbau von Pflanzen und die Viehwirtschaft genutzt, ein beachtlicher Teil davon ist ökologisch. Seit den 1980ern nutzen die Insulaner*Innen die Einzigartigkeit ihrer Umgebung zudem geschickt und effizient zur Energiegewinnung. Mit Wind- und Solarenergie erzeugt Pellworm das Doppelte des eigenen Energiebedarfs und ist so ein Vorzeigebeispiel für Nachhaltigkeit.

Von wachsender Bedeutung ist außerdem der Fremdenverkehr auf der Insel. Insgesamt jedoch geht es auf Pellworm deutlich weniger geschäftig zu als auf ihren Nachbarn Amrum, Föhr oder Sylt. Die Insel ist mit der Fähre von Nordstrand in 35 Minuten erreichbar. Eine weitere Fähre verkehrt von der Hallig Hooge. Besucher*Innen des Nordseeheilbads erfreuen sich eines ansprechenden Radstreckennetzes und einiger ikonischer Bauten, zu denen etwa die Ruine des Backsteinturmes der alten Sankt-Salvator-Kirche von 1200 gehört, die manchmal sogar vom Festland erkennbar ist. Der ebenfalls weithin erkennbare 41,5 Meter hohe Leuchtturm von Pellworm beherbergt ein Standesamt und ist ein beliebter Ort für Eheschließungen. Die Fenster der katholischen Petrus-Kapelle am Momme-Nissen-Haus zeigen Szenen der verheerenden Sturmflut von 1634, der Friedhof der St. Clemens-Kirche birgt für nordfriesische Inseln typische sprechende Grabsteine und auch die 1777 erbaute Nordermühle und das Rungholt-Museum erfreuen sich einiger Beliebtheit. Nicht zuletzt lädt der Naturraum Wattenmeer zu Erkundungen ein.

Literarisches

Literarisch wird Pellworm vor allem mit einem Namen verbunden: Detlev Freiherr von Liliencron (1844-1909) war von März 1882 bis September 1883 Hardesvogt und Deichhauptmann der Insel und lebte abwechselnd in Jensens Gasthof am Hafen und auf Muhls Werft. Wie viele andere Schriftsteller auch hat die nordfriesische Inselwelt Liliencron zu reger literarischer Produktivität inspiriert. In den knapp eineinhalb Jahren auf der Insel verfasste Liliencron unter anderem sechs Novellen, zwei Akte sowie 26 Gedichte, von denen viele eine Veröffentlichung fanden #1, darunter Auf dem Deich:

I.
Es ebbt. Langsam dem Schlamm und dem Schlick umher
Enttauchen alte Wracks und Besenbaken,
Und traurig hüllt ein graues Nebellaken
Die Hallig ein, die Watten und das Meer.

II.
Langweilig, öde gleißt das Wattenmeer,
Gezwungen schläft das Schiff, der Wellenschweifer,
Und einsam ist die Erde, wüst und leer.

III.
Geheimnisvoll, wie tot in Bann und Acht,
Sinkt grau und goldumhaucht die Halligwelt,
Und aus der Abendröte steigt die Nacht.

Detlev Freiherr von Liliencron: Auf dem Deich. Zitiert nach: Kai Möller, Marcus Petersen: Liliencron auf Pellworm. Husum 1982, S. 30.

Kay Dohnke attestiert Liliencrons Darstellung von Pellworm eine Universalität, die auf „ähnliche Örtlichkeiten übertragbar [sei] und darin, als typisch für die Inselwelt wiedererkennbar." #2 Die künstlerisch durchgeformte Gestalt Pellworms erreiche bei Liliencron eine besondere Qualität, da dieser die erzählte Landschaft auch akustisch zu erfassen vermöge. Dohnke veranschaulicht dies an einem Ausschnitt aus der Novelle Auf der Marschinsel von 1882:

An unserem Außendeich steht nur vereinzelt ein Haus, von kleinen Leuten bewohnt. [...] Auf dem Strohdach der Kate sitzen die Stare in ihrem süßen Geplauder. Wie still es ist. Aus den Marschen dringt kaum ein Ton; von einigen Höfen klingt das Glucksen der Kalkuttischen Hühner herüber, zuweilen Kinderlachen von einer Werft. Der Wind, natürlich Westwind, hat sich gelegt; Regenwolken ziehen langsam am Himmel.

Detlev Freiherr von Liliencron: Auf der Marschinsel. Hier zitiert nach Kay Dohnke: Schleswig-Holstein literarisch. Orte und Landschaften in der Literatur, Heide i.H. 1996, S. 66.

Auch Liliencrons berühmte Ballade Trutz, Blanke Hans über den Untergang Rungholts schrieb der Dichter während seiner Zeit auf Pellworm.

Pellworm lässt sich im Buch zudem als Schauplatz diverser Kriminalromane entdecken, wie zum Beispiel jüngst in der zweibändigen Pellworm-Krimi-Reihe von Katja Lund und Markus Stephan.

In der Umgebung

Die Insel Pellworm und die Halligen Südfall und Süderoog liegen im Wattenmeer vor der nordfriesischen Nordseeküste, etwa 15 km Luftlinie westlich von Nordstrand und 25 km Luftlinie westlich von Husum. Föhr liegt etwa 10 km nördlich von Pellworm.

14.2.2022 Lisa Heyse

ANMERKUNGEN

1 Für eine detaillierte Aufstellung siehe: Kai Möller, Marcus Petersen: Liliencron auf Pellworm. Husum 1982, S. 27 f.

2 Kay Dohnke: Schleswig-Holstein literarisch. Orte und Landschaften in der Literatur, Heide i.H. 1996, S. 66.