Wissenswertes

Wer in irgendeiner Weise mit Büchern zu tun hat, wird „Reinbek bei Hamburg“ mit hoher Wahrscheinlichkeit begegnet sein: Die Ortsangabe schmückte von 1960 bis 2019 die Druckerzeugnisse des Rowohlt-Verlags, bevor dieser in die Hansestadt zurückzog. Das „bei Hamburg“ ist nicht offizieller Bestandteil des Städtenamens, aber trotzdem nicht unzutreffend: Im Süden und Westen grenzt das Gemeindegebiet direkt an die Metropole. Weil der Ort außerdem bereits seit 1846 an die Berlin-Hamburger Eisenbahn angeschlossen war, hat er eine für Umlandsgemeinden nicht untypische Entwicklung durchlaufen: Zuerst kamen im frühen 20. Jahrhundert die Wochenendausflügler*Innen in das damals noch weltentlegene Dorf, und nach dem Zweiten Weltkrieg folgte eine rasche Zuwanderung durch Pendler*Innen. Heute hat Reinbek, das 1952 die Stadtrechte verliehen bekam, etwa 28.000 Bewohner*Innen. Bis 1877 wurde der Ortsname überwiegend mit -ck geschrieben.

Das Gebiet des heutigen Reinbek ist seit Jahrtausenden besiedelt. Die ersten urkundlichen Erwähnungen von heute noch bestehenden Ortsteilnamen gehen auf das 13. Jahrhundert zurück: In dieser Zeit wurde am Mühlenteich ein Nonnenkloster eingerichtet, das bis zur Reformation bestand. Nach der Auflösung gingen die Klostergebäude 1529 an den König von Dänemark, was Reinbek zum südlichsten dänischen Ort machte, wurden aber bereits kurz darauf im Zuge der „Grafenfehde“ zerstört. Am selben Ort wurde um 1572 das Schloss Reinbek errichtet, das bis heute steht und als bedeutendes Beispiel schleswig-holsteinischer Renaissancearchitektur gilt. Es war zunächst Nebenresidenz der Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf, wurde aber mehr und mehr zum Verwaltungsgebäude herabgestuft. Nach einer umfassenden Umgestaltung im frühen 20. Jahrhundert und einer historischen Restaurierung in den 1970er Jahren dient das Schloss heute als Kulturzentrum. Es beherbergt seit 2018 auch die Kunstsammlung des Schriftstellers Rolf Italiaander, die bis dahin in einem separaten Museum untergebracht war. 

Im Stadtzentrum von Reinbek, vom Schloss aus gesehen auf der anderen Seite der Bahngleise, befinden sich das Rathaus und die Stadtbibliothek.

Literarisches

Der Schriftsteller, Übersetzer und deutsch-französische Brückenbauer Georges-Arthur Goldschmidt wurde 1928 in Reinbek geboren. Die nationalsozialistische Judenverfolgung trieb den zehnjährigen Goldschmidt ins Exil: Zunächst nach Italien und später nach Frankreich, das seine geistige Heimat werden sollte. Neben Autoren wie Walter Benjamin, Georg Büchner, Friedrich Nietzsche oder Franz Kafka, die er ins Französische übertrug, übersetzte sich der auf Französisch schreibende Goldschmidt auch selbst ins Deutsche.

Angela Sommer-Bodenburg ist auf doppelte Weise mit Reinbek verbunden: Sie wurde hier nicht nur 1948 geboren, sondern veröffentlichte auch ihre Erfolgsserie Der kleine Vampir und viele andere Bücher bei Rowohlt.

Die Kinderbuch- und Theaterautorin Marlies Bardeli lebt in Reinbek.

Über den Rowohlt-Verlag, dessen ehemaliger Sitz in der Hamburger Str. 17 von dem namhaften Architekten Fritz Trautwein entworfen wurde und heute unter Denkmalschutz steht, sind viele weitere Autor*Innen mit Reinbek verbunden, darunter Hans Fallada, Peter Rühmkorf, Ernst von Salomon, Rocko Schamoni und Nis-Momme Stockmann.

In der Umgebung

Will man sich von Reinbek aus nicht ins in vielerlei Hinsicht nahegelegene Hamburg begeben, sondern die literarische Entdeckungsreise in Schleswig-Holstein fortsetzen, gibt es zahlreiche Möglichkeiten: Nördlich liegt in etwa 10 km Entfernung Ahrensburg die größte Stadt des Kreises Stormarn, die etwa mit Jan Wagner, Klaus Peter Dencker und Waldemar Bonsels verbunden ist. Im Nordosten gelangt man nach Trittau, dem ehemaligen Wohnsitz von Joachim Heinrich Campe und Arno Surminski. Im Süden bzw. Südosten schließlich liegen am Ufer der Elbe die Städte Geesthacht und Lauenburg.

8.3.2022 Jan Behrs