WISSENSWERTES

Der Name ‚Oldenburg‘ ist nicht gerade phantasievoll, er bedeutet einfach ‚Alte Burg‘ – genau wie die ältere slawische Bezeichnung ‚Starigard‘ (von slawisch stary – ‚alt‘ und ‚gard, grad‘ – ‚Burg, Stadt‘). Der Name passt auf die Stadt mit dem großen Burgwall am nördlichen Stadtrand. Komplizierter wird es, wenn man in Holstein von „den Oldenburgern“ spricht. Damit sind nämlich nicht die Bürger Oldenburgs gemeint, sondern das Adelsgeschlecht derer von Oldenburg. Ihr Name geht aber auf die Aldenburg an der Hunte zurück, also das heutige Oldenburg in Niedersachsen. Was die Verwirrung komplett macht, ist die Tatsache, dass zum späteren Herzogtum Oldenburg auch Teile Ostholsteins mit der Residenz Eutin gehörten. Oldenburg in Holstein war dagegen nie Teil des Herzogtums Oldenburg, sondern gehörte zum Herzogtum Holstein. Es ist keine Schande, wenn man das nicht sofort durchblickt. Es reicht, wenn man sich bei einem Besuch in Eutin daran erinnert, dass die ehemalige Residenzstadt Eutin und das 30 km nordöstlich davon gelegene Oldenburg historisch wenig gemein hatten. Was sich noch im Jahr 1970 bemerkbar machte, als im Zuge einer Verwaltungsreform die Landkreise Oldenburg und Eutin zum Kreis Ostholstein zusammengelegt wurden. Kreisstadt wurde Eutin, aber das neue Verwaltungsgebäude wurde von Architekten aus Oldenburg geplant. Die Eutiner nannten das ungeliebte Gebäude „die Rache Oldenburgs“.

Während für die Geschichte Eutins das 18. Jahrhundert entscheidend war, ist es für Oldenburg das Mittelalter. Oldenburg – genauer gesagt, Starigard – war ein bedeutender Ort der slawischen Wagrier, die in der Zeit der Völkerwanderung über Mecklenburg nach Holstein einwanderten und die seit dem 8./9. Jahrhundert Ostholstein besiedelten. Sie errichteten den Oldenburger Wall, eine mächtige Befestigungsanlage, in der sich auch ein zentrales slawisches Heiligtum befand, das dem Gott Prove gewidmet war. Gerade das war den christlichen Fürsten und Missionaren, die im Zuge der Expansion des Heiligen Römisches Reiches seit dem 10. Jahrhundert nach Osten und Norden vordrangen, ein Dorn im Auge. Um das Land und seine Menschen ihrem Einflussbereich zu unterwerfen, gründeten sie weit ins Slawengebiet vorgeschobene Missionsstützpunkte. Im Jahr 970 wurde zum Zweck der Christianisierung Nord- und Ostelbiens das Bistum Oldenburg gegründet, das sich weit bis nach Mecklenburg hinein erstreckte. Starigard/Oldenburg sollte Bischofssitz sein. Das passierte aber mehr auf dem Pergament als in der Realität. Die erste kleine hölzerne Kirche in Oldenburg wurde schon bald wieder von aufständischen Slawen zerstört. Überhaupt konnte Oldenburg sich nie als Bischofssitz behaupten. Auch für Vizelin, den „Apostel der Slawen“, war Oldenburg noch im 12. Jahrhundert zu gefährlich, er residierte zwei Tagesreisen weiter westlich in Bosau am Plöner See. Die zweite Christianisierungs- und Kolonisierungswelle im 12. Jahrhundert war aber letzten Endes erfolgreich. Helmold von Bosau berichtet in seiner „Slawenchronik“, wie Bischof Gerold eigenhändig die prächtig geschnitzten Tore des slawischen Heiligtums von Starigard zerschlug und wie die Priester die Tempelanlage verwüsteten und niederbrannten. Mit der Zerstörung „heidnischer“ Heiligtümer setzten sie ein unmissverständliches Zeichen, dass der christliche Gott mächtiger ist als alle anderen. Um 1150 wurde in Oldenburg dann die Missionskirche St. Johannis erbaut, eine der ältesten Backsteinkirchen Nordeuropas. Aber auch die St.-Johannis-Kirche erhielt nie die Funktion eines Domes, d.h. eines Bischofssitzes, denn in Oldenburg amtierte nie ein Bischof. Schon um 1160 wurde der Bischofssitz nach Lübeck verlegt. Oldenburg blieb Provinzstadt.

Die mittelalterliche Geschichte Starigards/Oldenburgs wird im Oldenburger Wallmuseum gezeigt, einem großen Freilichtmuseum, dessen Intention es ist, die Geschichte und Kultur der mittelalterlichen Slawen in Holstein erlebbar zu machen.

LITERARISCHES

In Oldenburg lebt der Schauspieler und Autor Stefan Schütz, der nach einer widerständigen Theaterkarriere in der DDR in die Bundesrepublik ausreiste. In zahlreichen Theaterstücken und Romanen behandelt er Themen wie Macht, Herrschaft und Machtmissbrauch in der Gesellschaft.

Die Lyrikerin Doris Runge, heute im nahegelegenen Cismar ansässig, besuchte in Oldenburg die Schule.

IN DER UMGEBUNG

Das Fischerstädtchen Heiligenhafen, an der Ostsee, 12 km nordwestlich von Oldenburg gelegen, ist Geburtsort des Schriftstellers Wilhelm Jensen, eines lebenslangen Freundes von Wilhelm Raabe und Autor historischer und gesellschaftskritischer Romane. Mehrere seiner Werke spielen in Heiligenhafen. Rund 10 km südlich von Oldenburg liegt Lensahn, wo der Schriftsteller Julius Stinde eine glückliche Kindheit verbrachte. Oldenburg ist eine Station auf dem Radfernwanderweg „Mönchsweg“, der alte christliche Stätten von Bremen bis nach Puttgarden miteinander verbindet (in Schleswig-Holstein von Glückstadt an der Elbe bis Puttgarden auf Fehmarn: 342 km).

11.6.2021Susanne Luber