WISSENSWERTES

Wer Plön besucht und die Aussicht von der Terrasse des Schlosses über den Großen Plöner See genießt, kann – Falkenaugen vorausgesetzt – in südlicher Richtung direkt am Seeufer ein paar helle Häuser erkennen. Das ist der kleine Ort Bosau, für kulturgeschichtlich Interessierte ein „Muss“. Denn hier schrieb vor 850 Jahren ein Geistlicher namens Helmold eins der wichtigsten Bücher zur Geschichte des östlichen Deutschlands, die sogenannte „Slawenchronik“. Also das Auto stehen lassen und das Boot besteigen, das mehrmals täglich Plön mit Bosau verbindet (und das auch Fahrräder mitnimmt).

Schon in alten Reiseführern wird Bosau als „Schmuck der Gegend“ beschrieben, als „anmutig belegenes Dorf“, wegen seiner idyllischen Lage am Plöner See früh für den Tourismus entdeckt, wo zwei Gasthöfe „außerordentlich preiswerte Verpflegung“ bieten und „ein schöner Badestrand allerbeste Badegelegenheit gibt“. #1 Bis auf die billigen Preise hat sich das kaum verändert. Was Bosau aber ausmacht, ist seine mittelalterliche Geschichte, und die konkretisiert sich in der St.-Petri-Kirche. Bosau war im Mittelalter ein zentraler Ort der Slawenmission. Hier lebte Bischof Vizelin, der später heilig gesprochene „Apostel der Slawen“. Eigentlich war das weiter östlich gelegene Oldenburg Bischofssitz, aber dort war es zu gefährlich – noch im 12. Jahrhundert mussten christliche Priester mit Mord und Totschlag durch aufständische Slawen rechnen. Bosau war dagegen halbwegs sicher. Faktisch war die kleine Bosauer Kirche also ein Dom, denn hier residierten zwei Bischöfe von Oldenburg – erst Gerold, dann Vizelin. Beiden eng verbunden war der gelehrte Priester Helmold, der sein Leben ebenfalls der Slawenmission gewidmet hatte. Zwischen 1167 und 1170 verfasste Helmold in Bosau ein großes historisches Werk, in dem er – zum Teil auf eigener Anschauung beruhend – die Geschichte der Christianisierung von Holstein, Mecklenburg, Brandenburg und Pommerns beschrieb. Diese „Slawenchronik“ hat für die Geschichtsschreibung enorme Bedeutung.

Aus der Zeit, in der Bosau eine historische Rolle spielte, also in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, sind kaum materielle Überreste erhalten. Aber es gibt Spuren: so die Namen ‚Bischofssee‘ und ‚Bischofswerder‘ für eine Bucht und eine Halbinsel vor Bosau, vor allem aber die St.-Petri-Kirche. Obwohl die kleine Feldsteinkirche in ihrer heutigen Form viel jünger ist als die erste hölzerne Kirche, die Vizelin hatte errichten lassen, lässt sie doch den Geist des Mittelalters erahnen. Die Petrikirche bzw. ihre direkte Vorgängerin, auf deren Grundmauern sie steht, ist eine der ältesten Missionskirchen in Schleswig-Holstein.

LITERARISCHES

In der zu Bosau gehörenden Gemeinde Braak wuchs der in Klenzau geborene "Märchenprofessor" Wilhelm Wisser auf dem Altenteil seiner Großmutter auf. Die Kate ist erhalten, heißt heute "Wilhelm-Wisser-Kate", wird von dem Wilhelm-Wisser-Verein gepflegt und kann besichtigt werden. Mehrmals im Jahr finden hier auch Veranstaltungen statt, unter anderem monatliche "Klönabende".

In Bosau wurden 1977 Schlüsselszenen des Films Reifezeugnis gedreht, einer der meist wiederholten Folgen der Krimireihe „Tatort“.

IN DER UMGEBUNG

Bosau ist eine Station auf dem Radfernwanderweg „Mönchsweg“, der alte christliche Stätten von Bremen bis nach Puttgarden miteinander verbindet (in Schleswig-Holstein von Glückstadt an der Elbe bis Puttgarden auf Fehmarn: 342 km).

Weitere literarisch bedeutsame Orte in der Umgebung sind in erster Linie Plön und Eutin, beides ehemalige Residenzstädte, wo nicht nur Hofbeamte, sondern auch Gelehrte und Schriftsteller lebten und wirkten.

11.6.2021Susanne Luber

ANMERKUNGEN

1 Haase-Lampe, Wilhelm: Fürstentum Lübeck, Großherzoglich Oldenburgisches Staatsgebiet in Holstein (Holsteinische Schweiz). o.O. 1914, S. 28. - Schönfeldt, Bruno: Ostholstein das Land der Wälder, Seen und Bäder. Kiel: Burckhardt 1939, S. 90.