Wissenswertes

Auf der Karte ist Glücksburg nicht schwer zu finden: Der Ort führt stolz den Titel der nördlichsten Stadt Deutschland (und verweist das nahegelegene Flensburg in dieser Hinsicht auf den zweiten Rang), und die zum Gemeindegebiet gehörende Nordspitze der Halbinsel Holnis schiebt sich weit in die Flensburger Förde zwischen dem dänischen Festland und der ebenfalls dänischen Halbinsel Broager Land. Und noch in einer anderen Hinsicht ist Glücksburg, das bei der Volksabstimmung 1920 für den Verbleib bei Deutschland stimmte, mit dem nördlichen Nachbarn verbunden: Seit 1863 wird Dänemark von MonarchInnen aus dem Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg regiert bzw. repräsentiert (dasselbe gilt seit 1905 für Norwegen). Das Schloss Glücksburg, das im 19. Jahrhundert oft Sommerresidenz der dänischen Könige war und die wohl bedeutendste touristische Attraktion der Stadt ist, befindet sich bis heute im Besitz der Familie.

Die Geschichte Glücksburg beginnt im frühen 13. Jahrhundert mit Zisterziensermönchen, die aus Schleswig hierherkamen und im Gebiet des heutigen Schlossteichs ein Kloster errichteten. Dieses wurde im Verlauf der Reformation erst evangelisch und dann 1557 säkularisiert. 1582 fiel es in den Besitz des Herzogs Johann von Schleswig-Holstein-Sonderburg, der (wie auch in Reinfeld) die Klostergebäude abreißen und stattdessen ein Schloss errichten ließ. Sein Sohn begründete die sogenannte ältere Linie des Hauses Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg; nachdem diese ausstarb, entstand 1825 die jüngere Linie, die nach einem kurzen preußischen Intermezzo von 1864 bis 1869 erneut ihren Sitz im Wasserschloss hatte. Die Kaiserin Auguste Viktoria, die mit dem Haus Glücksburg eng verwandt war, war hier oft zu Besuch. Seit 1922 ist eine Familienstiftung für die Instandhaltung des Schlosses zuständig; sie betreibt hier auch ein Museum.

Außerhalb des Schlosses wuchs allmählich eine Siedlung heran, die ab dem späten 19. Jahrhundert auch touristische Bedeutung erlangt: ab 1873 wird im Ortsteil Sandwig das bis heute bestehende Strandhotel gebaut, das Gäste wie Klaus Groth oder Thomas Mann anlockt. 1900 erhält Glücksburg das Stadtrecht und entwickelt sich in der Folge zu einem mondänen Badeort. Auch in den heute zum Stadtgebiet gehörenden Gebieten wie Holnis entwickelt sich der Tourismus.

Im Ortszentrum direkt neben dem Schlosspark befindet sich die Touristinformation (Schinderdam 5). Nur wenige Schritte entfernt liegt im ehemaligen Bahnhofsgebäude in der Bahnhofstr. 5 die Stadtbücherei. Derzeit wird die Erweiterung und Umwandlung des Gebäudes in einen „Kulturbahnhof“ vorbereitet.

Literarisches

Wer heute die Halbinsel Holnis erkundet, kann das unter anderem auf dem Theodor-Fontane-Wanderweg tun. Was auf den ersten Blick vielleicht überraschend erscheint  – führen Fontanesche Wanderungen nicht eher durch die Mark Brandenburg als in den hohen Norden? –, leuchtet durchaus ein, denn Fontane hat Holnis auf die literarische Landkarte gebracht. Nachdem er sich zunächst für sein 1866 erschienenes Buch über den schleswig-holsteinischen Krieg mit der Gegend auseinandergesetzt hat, kehrt er in seinem großen Roman Unwiederbringlich hierhin zurück. Obwohl das fiktive Schloss Holkenäs, einer der Schauplätze des Buchs, im Text „eine Meile südlich von Glücksburg“ verortet wird, hat Fontane sich doch von der Landschaft der Halbinsel inspirieren lassen, und der Kontrast zwischen der idyllisch-kargen Landschaft und dem glitzernden Kopenhagen verleiht der tragischen Ehebruchgeschichte ihre Spannung.

Wie bereits erwähnt, zählte Thomas Mann zu den zahlreichen Urlaubsgästen, die Glücksburg in seiner Glanzzeit als Badeort anzog. Mann war zweimal hier, einmal als Kind von Lübeck aus, das andere Mal im Jahr 1919 als bereits weltberühmter Autor. Im Strandhotel erhält er per Telegramm die Nachricht, dass die Universität Bonn ihm die Ehrendoktorwürde verleihen wird: „Vergnüglichkeit und Titulierung. Feier mit Champagner vorgesehen. Tranken Chokolade im Garten und gingen auf Umwegen durch die sympathische Landschaft heim.“ #1

Die Autorin von Prosa, Lyrik und Hörspielen Birgit Hambach-Uldall (1929-2012) lebte viele Jahre in Glücksburg und gründete hier die immer noch bestehende „Glücksburger Textwerkstatt“.

Birgit Dankert, die hauptsächlich als Kinderbuchforscherin bekannt ist, aber auch selbst Erzählungen schreibt, lebt in Glücksburg.

In der Umgebung

Da Glückburg, wie erwähnt, sehr dicht an Dänemark liegt und dieses Land zumindest bisher noch nicht für das Literaturland SH erschlossen ist, bleibt als sehr naheliegende Option hauptsächlich das direkt angrenzende und leicht per Bus oder Fahrrad erreichbare Flensburg mit seiner reichen literarischen Geschichte und Gegenwart. Im Zentrum der Halbinsel Angeln liegt etwa 25 km von Glücksburg entfernt die Gemeinde Mittelangeln, die etwa mit dem Schriftsteller Jochen Missfeldt verbunden ist. Noch weiter südlich, aber trotzdem mit dem Auto bequem erreichbar sind die Städte Kappeln und Schleswig.

14.3.2022 Jan Behrs

ANMERKUNGEN

1 Thomas Mann: Tagebucheintrag vom 4.8.1919. In: Tagebücher 1918-1921. Hrsg. v. Peter de Mendelssohn. Frankfurt am Main: S. Fischer 1979,  S. 289.