Friedrich Mülder

Mülder, Friedrich

Architekt, freier Schriftsteller und Ehrenvorsitzender des Literaturhauses Schleswig-Holstein

Geboren in Gildehaus (Bad Bentheim) am 2. Juli 1932

„Den Gedichten Friedrich Mülders gerecht zu werden, erfordert Kunst: die Kunst des Lesens und der Interpretation.“ #1 Tatsächlich sind seine Texte ein Beispiel dafür, wie autobiografisch grundiertes Erzählen zu einer Lyrik „zwischen Tradition und Moderne“ führen kann. #2 Doch der Autor hat nicht nur Gedichte geschrieben – Erzählungen, Reden, Biografien sowie zahlreiche Beiträge zu literatur- und geschichtswissenschaftlichen Themenbänden gehören ebenfalls zu seinem Werk. Und: Er ist Mitbegründer des Literaturhauses Schleswig-Holstein.

Friedrich Mülder wurde am 2. Juli 1932 im niedersächsischen Dorf Gildehaus (heute ein Ortsteil von Bad Bentheim) geboren. Er studierte Architektur und arbeitete als Diplom-Designer und Innenarchitekt „nach Anstellungen in Krefeld, Regensburg und Hamburg ab 1961 überwiegend in Schleswig-Holstein“. #3 Seit 1990 ist Mülder freier Schriftsteller. Sein erster Gedichtband In Antennenwäldern hausen erschien 1979, der erste Band mit Erzählungen Le Corbusier war nicht in Schneidemühl folgte 1985. Später wurden Monografien zu Heinrich Seidel (… wie er ein Poet und Ingenieur gewesen …, 1997) und Johannes Trojan (Ein Spötter und Poet zwischen Kanzler und Kaiser, 2003) veröffentlicht. Der Band In die Zeit gesprochen (2000) versammelt hingegen Mülders „Reden aus zwei Jahrzehnten“. Wolfgang Beutin schreibt darin zu Mülders Heimatbezogenheit: „Zu Deinen Vorfahren im Geiste gehören auch die Autoren unserer Region, hier Geborene und solche, die hier ihr Leben verbrachten, die ‚Schleswig-Holsteiner‘, so Rist, der noble Friedensdichter, so Storm. Und der Bedeutendste von allen, den freilich auch die Mecklenburger für sich reklamieren […]: Ernst Barlach“. #4

Mülders Lyrik ist „biographisch geprägt in der Betonung emotionalen Erlebens, von Liebe, Angst, Not und Schuld“ #5 und wartet mit einem großen Themenspektrum auf: Landschaft, Geschichte, untergründige Bedrohlichkeit, aber auch Hoffnung: „Es ist keine andere als die Liebe“, womit stets „die individuelle Liebe“ gemeint sei. #6 Dies führt zu einem persönlichen Dechiffrierungsprozess:

Entziffert

Die Vereinigungen
in Liebe, sie tragen alle
die dunklen Zeichen.

Lesen kann sie nur
Der Letzte allein.

Friedrich Mülder: Entziffert. In: ders., Zum Abend hin. Ausgewählte Gedichte, Tiefenbach 2009, S. 69.

Neben seiner schriftstellerischen Arbeit hat sich Friedrich Mülder vielfach um kulturelle Vermittlung verdient gemacht. Er war u.a. von 1989 bis 1993 Vorsitzender des Verbands Schriftsteller in Schleswig-Holstein und hat das Literaturhaus Schleswig-Holstein mitbegründet, dessen Vorsitzender er bis 1998 war; seither ist er Ehrenvorsitzender. Von 1985 bis 1995 vertrat er das Land Schleswig-Holstein in der Jury des Wettbewerbes Treffen junger Autoren des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft bei den Berliner Festspielen. Zusammen mit Therese Chromik und Bodo Heimann war er Mitbegründer und Redaktionsmitglied von Euterpe, dem „Jahrbuch für Literatur“. Für seine Verdienste in der Kulturvermittlung wurde ihm 1992 das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Mülder ist Mitglied im Passauer und Lübecker Autorenkreis und lebt – nach Jahrzehnten in Kiel und Passau – heute in Heide.

15.11.2022 Kai U. Jürgens

ANMERKUNGEN

1 Thomas Metscher: Vorwort. In: Friedrich Mülder, Zum Abend hin. Ausgewählte Gedichte, Tiefenbach 2009, S. 5–10, hier S. 5.

2 Ebd.

3 Friedrich Mülder [Biografie]. In: Friedrich Mülder, Zum Abend hin. Ausgewählte Gedichte, Tiefenbach 2009, S. 129.

4 Wolfgang Beutin: Vorwort. In: Friedrich Mülder, In die Zeit gesprochen. Reden aus zwei Jahrzehnten, Kiel 2000, S. 7–11, hier S. 10.

5 Metscher, wie Anm. 1, S. 6.

6  Ebd., S. 9.