Wissenswertes

Obwohl ganz am Rand von Schleswig-Holstein gelegen und auch nicht besonders groß, ist die Stadt Brunsbüttel im äußersten Süden Dithmarschens insbesondere in wirtschaftlicher Hinsicht eine Macht. Wer auf die Karte schaut, versteht warum: Hier mündet der 1895 eröffnete Nord-Ostsee-Kanal in die Elbe, was Brunsbüttel zu einem maritimen Knotenpunkt und zum bedeutendsten Nordseehafen des Landes macht. Der ChemCoast Park Brunsbüttel im Hafengebiet ist das größte Industriegebiet Schleswig-Holsteins und wird durch den geplanten Bau eines Flüssiggasterminals wohl weiter an Bedeutung gewinnen. Und auch ein anderes Unternehmen, das viele noch mit Brunsbüttel verbinden, gehört zur industriellen Sparte: Das Kernkraftwerk, das von 1976 bis 2007 hier am Ufer der Elbe Strom produzierte und gesellschaftliche Konflikte provozierte.

Wenngleich die Stadtgeschichte auf diese Weise eng mit der des Kanals verbunden ist, reicht sie doch weitaus weiter zurück: Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem 13. Jahrhundert, und in der Zeit davor lebten die Bewohner*Innen wohl hauptsächlich vom Strandraub und der Seeräuberei. Die Lage direkt an der Elbe machte das möglich, sorgte aber auch für ständige Überschwemmungen, sodass man im späten 17. Jahrhundert landeinwärts zog – das Zentrum des heutigen Brunsbüttel-Ort entstand um den Markt und die barocke Jakobuskirche. Hier befindet sich heute auch das Heimatmuseum (Markt 4) . 1717 verwüstete eine verheerende Sturmflut die Gegend, und erst 1763 gelang die Wiedereindeichung des verlorenen Gebiets. Nachdem die Küste auf diese Weise gesichert war, entstanden neue Siedlungen: Zunächst Brunsbüttelhafen rund um den heutigen Alten Hafen, das sich schon vor dem Kanalbau zu einem kleinen Zentrum des Handels und der Schifffahrt entwickelte. Als der Kanal dann fertig war, dehnte sich die Ansiedlung rasant aus und wurde 1899 eine eigene Gemeinde – zunächst als „Brunsbüttel-Eddelaker-Koog“, später als „Brunsbüttelkoog“. Dieser Ort wuchs durch die Nähe zum Kanal wesentlich schneller als das eigentliche Brunsbüttel: 1908 bis 1910 entstand beispielsweise das bis heute erhaltene „Beamtenviertel“ im Stil einer Gartenstadt, in dem vorgeplante Wohngebäude für verschiedene Gesellschaftsschichten in einzigartiger Mischung zu einem sehenswerten Ensemble gefügt wurden. 1948 erhielt Brunsbüttelkoog das Stadtrecht. Diese Ehre wurde dem ursprünglichen Ort Brunsbüttel erst 1970 zuteil, als es mit der Stadt Brunsbüttelkoog und einigen anderen Gemeinden zur Stadt Brunsbüttel zusammengelegt wurde. Heute hat der vereinte Ort etwa 12.000 Einwohner*Innen.

Am Rand des Kanals, am Gustav-Meyer-Platz, befindet sich die Tourist-Information der Stadt. Direkt daneben informiert das Kanalmuseum Atrium über Geschichte und Gegenwart des für Brunsbüttel so bedeutsamen Bauwerks.

Literarisches

Angesichts der Geschichte Brunsbüttels ist es nicht überraschend, dass der früheste Autor von Rang und Namen erst nach dem Kanalbau in der Stadt ansässig wird: 1922 zieht Emil Hecker aus Hamburg hierher, nachdem seine aus Brunsbüttel stammenden Eltern bereits vorher diesen Schritt gemacht hatten. Hier beginnt seine Karriere als niederdeutscher Autor, besonders als Verfasser von Hörspielen und Bühnenstücken. Er starb 1989 und ist auf dem Jakobusfriedhof begraben.

Der bekannte auf Sylt geborene Kinderbuchautor Boy Lornsen (1922-1995) war von seiner Ausbildung her eigentlich Bildhauer. Als solcher hatte er in der Wurtleutetweute im damaligen Brunsbüttelkoog eine Werkstatt, in der einige seiner größten literarischen Erfolge entstanden. Sein Sohn Dirk Lornsen, ebenfalls Kinder- und Jugendbuchautor, wurde 1957 in Brunsbüttelkoog geboren. Nach Boy Lornsen sind in der Stadt eine Straße sowie, gar nicht weit von der ehemaligen Werkstatt, eine Grundschule benannt.

Nach dem Erfolg ihres Regenromans (1999) zieht die Schriftstellerin Karen Duve in den nordöstlichen Stadtteil Blangenmoor. Bevor sie 2009 weiter nach Brandenburg zieht, entstehen hier in der Abgeschiedenheit Werke wie Dies ist kein Liebeslied (2002) oder Taxi (2008).

In der Umgebung

Folgt man der Elbe stromaufwärts in Richtung Hamburg, gelangt man nach Glückstadt im Kreis Steinburg, eine interessante Planstadt des 17. Jahrhunderts, die literarisch unter anderem mit Fritz Lau verbunden ist. Wenn man stattdessen im Kreis Dithmarschen bleibt und sich landeinwärts orientiert, ist Meldorf etwa 25 km und Heide etwa 35 km entfernt. Näher liegen St. Michaelisdonn, das auch der nächste Bahnanschluss ist, sowie Barlt, der Geburts- und Sterbeort von Gustav Frenssen.

28.3.2022 Jan Behrs