WISSENSWERTES

Das Moorheilbad Bad Bramstedt liegt im Kreis Segeberg genau in der Mitte zwischen Nord- und Ostsee in der Region Holsteiner Auenland. Der Ort ist seit jeher verkehrsgünstig gelegen: Sowohl der historische Ochsenweg, ein bedeutender Handelsweg von Wedel nach Dänemark, als auch die in den 1830er Jahren angelegte Altona-Kieler Chaussee führen durch ihn hindurch. Deswegen ist es keine Überraschung, dass das auch im Wappen geführte Wahrzeichen der Stadt eine Rolandsfigur ist: Solche Standbilder symbolisieren den Marktfrieden und sind häufig in vom Handel geprägten Orten anzutreffen. In Bramstedt wurde zuerst 1533 ein hölzerner Roland errichtet, der 1681 durch die bis heute am Bleeck, dem zentralen Platz der Stadt, stehende Steinfigur ersetzt wurde.

Direkt gegenüber vom Roland liegt das Bramstedter Schloss, das freilich nur das Torhaus eines einst viel größeren Ensembles ist. Es befand sich seit dem 17. Jahrhundert im Besitz der Familie Stolberg und gehört heute der Stadt Bad Bramstedt, die hier das Stadtarchiv und ein Kulturzentrum untergebracht hat. Etwas weiter nördlich steht die Maria-Magdalenen-Kirche, die vermutlich aus dem 13. oder 14. Jahrhundert stammt.

Seit dem 17. Jahrhundert ist der Gesundbrunnen, eine Heilquelle im Stadtgebiet, bekannt, und seit 1910 ist Bramstedt nicht nur offiziell eine Stadt, sondern auch ein anerkanntes Heilbad. Angeblich wurde der Namenszusatz „Bad“ auch deswegen verliehen, um Verwechslungen mit dem nahegelegenen Barmstedt zu vermeiden. Bis heute spielt der Gesundheitstourismus eine überragende Rolle in der Stadt, die deswegen über ein breites Angebot an Hotels und Restaurants verfügt. Direkt am Bleeck befindet sich das Tourismusbüro der Stadt.

LITERARISCHES

Auf dem Gut Bramstedt wurde 1750 Friedrich Leopold Graf zu Stolberg geboren. Der spätere Mitgründer des Göttinger Hains und Freund von Goethe, Voß und Klopstock wuchs jedoch in Kopenhagen auf, wo sein Vater tätig war. Später sollte vor allem Eutin die Wirkungsstätte dieses Dichters des Sturm und Drang werden.

Als die Familie Stolberg das Gut Bramstedt 1797 verkaufte, ging es an einen weiteren Literaten aus dem Umfeld von Voß: Der Dramatiker, Lyriker und Übersetzer Friedrich Ludwig Wilhelm Meyer ließ sich im „Schloss“ nieder und blieb dort bis zu seinem Tode im Jahr 1840. Er ist auf dem Kirchhof der Maria-Magdalenen-Kirche begraben.

Aus weniger privilegierten Verhältnissen stammte die 1828 in Bramstedt geborene Johanna Mestorf. Die Tochter eines Arztes verbrachte ihre Kindheit in der Stadt, bevor ihre Familie weiter nach Itzehoe zog. Mestorf sollte später eine bedeutende Archäologin und als Leiterin des Museums vaterländischer Alterthümer in Kiel eine der ersten Museumsdirektorinnen Deutschlands werden. 1899 erhielt sie, ebenfalls in Kiel, als erste Frau in Preußen den Titel einer Honorarprofessorin. In Kiel wie in Bad Bramstedt sind Straßen nach dieser Pionierin benannt.

IN DER UMGEBUNG

Bad Bramstedt liegt im Osten der Aktivregion Holsteinisches Auenland und ist in diesem Rahmen gut touristisch erschlossen. So führt beispielsweise der Radweg „Auenland-Natur-pur“ vom Schloss aus Richtung Norden nach Brokenlande und über Großenaspe zurück in die Stadt. Ebenfalls in der Region liegt 15 km westlich von Bramstedt die kleine Stadt Kellinghusen, die literarisch vor allem als Wohnort von Detlev von Liliencron bekannt ist. Weitere 5 km entfernt befindet sich Mühlenbarbek, Schauplatz von Johann Hinrich Fehrs‘ niederdeutschem Roman Maren (und Wohnort von Fehrs). Nördlich von Bad Bramstedt befindet sich in etwa 20 km Entfernung die kreisfreie Stadt Neumünster.

20.4.2021Jan Behrs