Europäisches Festival des Debütromans

2022 feiert das Europäische Festival des Debütromans sein 20. Jubiläum. 220 Autorinnen und Autoren aus insgesamt 18 Ländern haben bislang die Gelegenheit wahrgenommen, aktuelle, noch nicht in eine andere Sprache übersetzte Debütromane zu präsentieren. 2003 wurde vom Centre Culturel Français de Kiel und vom Literaturhaus Schleswig-Holstein die Kombination aus einer Fachtagung zum europäischen Debütroman im Landeskulturzentrum Salzau und einem öffentlichen Lesefest im Literaturhaus in Kiel ins Leben gerufen. Seit 2008 findet das Festival vollständig im Literaturhaus im Alten Botanischen Garten in Kiel statt. Von Norwegen bis Ungarn, von Finnland bis Spanien reichte das Spektrum der Teilnehmer*Innen, die dank des großen Engagements seitens des Landes Schleswig-Holstein, des Bureau du Livre der Französischen Botschaft in Deutschland und von Institutionen der öffentlichen Literaturvermittlung in den jeweiligen Partnerländern eingeladen werden konnten. Mit dieser Spannbreite vom Ostsee- bis zum Mittelmeerraum fand das Europäische Festival des Debütromans ab 2005 auch Aufnahme unter die Ars Baltica-Projekte.

Das Europäische Festival des Debütromans war für fast alle teilnehmenden Autor*Innen der Start einer literarischen Karriere im Heimatland, für einen Teil von ihnen der Auftakt für den Weg auf den europäischen Buchmarkt. Allein ins Deutsche wurden bislang 39 Titel übersetzt. Einige waren gerne gesehene wiederkehrende Besucher*Innen im Literaturhaus, wie beispielsweise Radka Denemarková aus Tschechien, Jonas Lüscher aus der Schweiz, Gerbrand Bakker aus den Niederlanden, Kjersti A. Skomsvol aus Norwegen oder Jan Christophersen aus dem heimischen Schleswig-Holstein. Auch Arezu Weitholz, die mittlerweile im Land lebt und den Fallada-Preis 2022 für ihr Werk Beinahe Alaska erhielt, stellte hier ihren Debütroman vor.

Nach zwei Coronajahren, einem ganz ohne persönliches Kennenlernen (2020) und einem mit Teilnehmer*Innen teils vor Ort, teils über den Bildschirm (2021), ist es pünktlich zum 20. Festival wieder möglich ein Festival wie früher zu veranstalten. Da ist es auch passend, dass das eröffnende Lesefest dieses Jahr wieder auf den Himmelfahrtsfeiertag fällt, wie es schon in den ersten drei Jahren der Fall war. Dieses Jahr treffen sich dreizehn Autor*Innen aus ebenso vielen europäischen Ländern, die, begleitet von ihren Verlagslektor*Innen oder Verleger*Innen, für vier Tage nach Kiel kommen, um aus ihren Romanen vorzulesen, sich zu präsentieren und miteinander über ihre Romane, über Literatur, über jährlich wechselnde Themen des Literaturbetriebs ihrer Länder und natürlich auch über sich, ihr Leben und ihre Arbeit zu sprechen.

Seinen Auftakt wird das Festival mit dem Lesefest am 26. Mai haben – dort präsentieren die Teilnehmer*Innen Literaturinteressierten ihre Werke. Mit Gesprächen und Lesungen, mit den Texten in Originalsprache und Probeübersetzungen ins Deutsche, Englische und ins Französische, wird das Lesefest regelmäßig zu einem Ort europäischer Begegnungen. Die Romane können im Gespräch mit den Autor*Innen sowie beim Rundgang durch einen Literaturparcours im Alten Botanischen Garten näher kennengelernt werden.

Bei der dreitägigen Fachtagung, die sich an das Lesefest anschließt, tauschen die Autor*Innen und ihre Begleitungen sich nicht allein über die Romane und Verlage aus, sondern sprechen in Workshops und Diskussionen auch über die Besonderheiten des Debütromans als Einstieg ins Schriftstellerdasein und die länderspezifischen Besonderheiten im Literaturbetrieb. Die ukrainische Teilnehemerin Eugenia Kuznetsova wird ihren Roman am Abend des 28. Mai per Videogespräch in einer eigenen Lesung vorstellen. Moderiert wird die Lesung von der in Polen lebenden ukrainischen Autorin Żanna Słoniowska, die im Jahr 2015 selber Teilnehmerin am Festival war.
Zum Festival erscheint ein dreisprachiges Begleitheft mit Übersetzungen von Textauszügen aus den Romanen und mit Informationen zu Autor*in und Roman. Einen unterhaltsamen internationalen Akzent schließlich setzt zum Jubiläumsfestival am Abend des 27.Mai die „Weltkapelle Wilhelmsburg“ aus Hamburg, ein Orchester von in Deutschland im Exil lebenden Musiker*innen, das den europäischen Blickwinkel auf die Sprachen und Literaturen musikalisch weitet.

Autor*Innen 2022: Glenn Bech (Dänemark), Annika Domainko (Deutschland), Maisku Myllymäki (Finnland), Matthieu Zaccagna (Frankreich), Alessandra Carati (Italien), Anna Auziņa (Lettland), Simone Atangana Bekono (Niederlande), Sandra Kolstad (Norwegen), Sabine Schönfellner (Österreich), Salomé Kiner (Schweiz), Klemen Pisk (Slowenien), Lenka Elbe (Tschechien) und Eugenia Kuznetsova (Ukraine).

Das 20. Europäische Festival des Debütromans ist Teil der literarischen Veranstaltungsreihe "Grand tour", die vom Institut Français Deutschland anlässlich der französischen EU-Ratspräsidentschaft organisiert wird.

12.5.2022 Nikola Schaum