Wissenswertes

Rund einen Quadratkilometer ist sie groß, die viertgrößte der insgesamt zehn Halligen im schleswig-holsteinischen Wattenmeer mit dem wunderbar vielsprechenden Namen Oland. Etwa 20 Menschen bewohnen in 18 Häusern eine einzige Warft, die Olandwarft, die auch bei den regelmäßigen Überflutungen der Hallig trockene Häuserböden gewährt und auch Sturmfluten trotzt.

Land und Leben der Hallig und ihrer BewohnerInnen sind in wohl einzigartigem Maße vom Meer und von ständigem Wechsel bestimmt. Die heute etwa 500 m breite und 2 Kilometer lange Hallig entstand nach der großen Sturmflut 1362, war bis zur Burchardiflut 1634 aber Teil der Hallig Langeneß. Verschiedene Sturmfluten zerstörten diese Verbindung und sorgten auch für Landverlust bei der nun eigenständigen kleinen Hallig Oland im Osten. Die Fertigstellung des Lorendamms im Jahr 1927 konnte dem Landverlust etwas entgegenwirken und stellte insgesamt eine große Veränderung für die Halligbewohner*Innen dar, denn über den beschienten Lorendamm ist Oland auch in den Wintermonaten und recht gezeitenunabhängig mit dem Festland (Dagebüll) und Langeneß verbunden. Die Oländer*Innen befahren den Damm mit ihren eigenen Loren, um Lebensmittel, Post und andere Besorgungen auf die Hallig zu transportieren.

Etwa 45 Gästebetten stellt Oland bereit, der Großteil der Tourist*Innen kommt jedoch für Tagestouren auf die autofreie Hallig – im Sommer mit dem Schiff von Schlüttsiel, auf einer geführten Wanderung durchs Watt oder aber, ganzjährig, mit der Lorenbahn über den Lorendamm.

Neben dem eindrücklichen Wattenmeer- und Nordseepanorama finden die Gäste auf Oland eine Kirche mit historischer Ausstattung und Friedhof, eine Schule und ein Gemeindehaus mit kleiner Bücherei sowie den einzigen reetgedeckten Leuchtturm in ganz Deutschland – alles fußläufig erreichbar auf der Olandwarft.

Literarisches

Das unmittelbare und eindrückliche Erlebnis der Nordsee auf der Hallig hat verschiedene Autor*Innen zum Schreiben angeregt – etwa den 1846 geborenen Philosophen und Pädagogen Friedrich Paulsen, dessen Vorfahren von Oland kamen, und die Schriftstellerin Elfriede Rotermund, die von 1912 an 16 Jahre auf der Hallig lebte und zahlreiche Novellen über das Halligleben schrieb. Auch ihr 1928 erschienener Hallig-Roman Godber Godbersen spielt teilweise auf Oland.

Berühmtester Liebhaber Olands aber ist der weithin als „Halligdichter“ bekannte Schriftsteller Wilhelm Lobsien, der in seinen Ferien vom Lehrerberuf möglichst oft auf die Nordsee-Halligen reiste und auf dem Friedhof in Oland 1947 seine letzte Ruhestätte fand. Bei einer Wanderung auf die Hallig 1905 soll er von einer Sturmflut überrascht worden sein und so zu seinem Sujet gefunden haben. Die Hallig findet sich in verschiedenen Novellen, Erzählungen und Gedichten Lobsiens wieder, wie etwa im Gedicht Sonnentag auf Hallig Oland:

So weit die Augen wandern
zum fernsten Horizont,
dehnt sich wie flüssiges Silber
die Nordsee, hell besonnt.

Darüber die Himmelskuppel
wie blaue Seide gespannt,
zwei einsame Wolken stehen
und schauen übers Land.

Da wandern auch deine Gedanken
und Träume immerzu,
dein Herz möchte stille rasten
und hat doch keine Ruh,

schwebt wie auch Möwenschwingen
hoch über Raum und Zeit
nach fernen, fremden Zielen
bin in die Ewigkeit.

Wilhelm Lobsien: Sonnentag auf Hallig Oland, in: ders.: Heimat Sturm und Meer. Eine kleine Auslese aus seinen Gedichten und Erzählungen. Heide in Holstein: Boyens [1967], S. 6.

In einem Reisebericht setzt sich der Krimischriftsteller Hansjörg Martin, aus Wedel im äußersten Süden Schleswig-Holsteins zu Besuch, mit den Halligen (nicht nur Oland) auseinander und gelangt in seinem typischen nüchternen Stil zu einer vorsichtigen Zustimmung zur hiesigen Lebensweise:

Ich habe nicht feststellen können und vermag nicht zu erklären oder zu begründen, was es ist, das die Menschen hier hält. Aber ich könnte mir gut vorstellen, daß ich selbst, nach einiger Zeit der Eingewöhnung und nach Erlangung der irdischen Eigenschaften und profanen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die man hier braucht, auf einem der Landstriche und dem herrlichen Himmel glücklich leben würde.

Hansjörg Martin: Die Halligen - Landstriche in leidiger Lage. In: Queerbeet durch Tag und Traum. Texte aus fast fünfzig Jahren. Husum: Edition Euterpe 1990, S. 27-37, hier S. 37.

In der Umgebung

Die Hallig Oland liegt westlich von Dagebüll im nordfriesischen Wattenmeer und ist mit dem Festland in etwa 5 km und 20 Minuten über den beschienten Lorendamm erreichbar. Im Westen der Hallig, in 2,5 Kilometern ebenfalls mit der Lorenbahn erreichbar, liegt die größere und stärker besiedelte Hallig Langeneß. Per Ausflugsschiff ist Oland zudem über den Hafen Schlüttsiel mit dem Festland verbunden. Die nächsten größeren Orte und Städte sind Niebüll (15 km nordöstlich ab Dagebüll), Bredstedt (25 km südöstlich ab Dagebüll) und Husum (40 km südöstlich ab Dagebüll).

25.1.2022 Lisa Heyse