WISSENSWERTES

Das Marschdorf Witzwort liegt im Süden des Kreises Nordfriesland am Rand der Halbinsel Eiderstedt. Die Gegend ist schon seit der Steinzeit besiedelt, weil sie Sicherheit vor Sturmfluten bot. Der heutige Ort wurde zuerst 1352 urkundlich erwähnt. Die St.-Marien-Kirche im Zentrum des Dorfs stammt aus dem Jahr 1420; der ungewöhnlich prachtvolle und kunstgeschichtlich bedeutende Flügelaltar entstand etwa 100 Jahre später. Im Gemeindegebiet befinden sich einige sogenannte Haubarge: Diese wuchtigen Bauernhäuser, in denen Mensch und Tier unter einem Dach lebten, wurden im 16. Jahrhundert von westfriesischen Einwanderern eingeführt und sind typisch für die Region Eiderstedt. Das wohl bekannteste Beispiel für diese Bauart, der „Rote Haubarg“, befindet sich am westlichen Rand der Gemeinde, dicht an der Küste des Wattenmeers. Er beherbergt heute ein Restaurant sowie ein landwirtschaftliches Museum und ist damit einer der wenigen erhaltenen Haubarge, der der Öffentlichkeit zugänglich ist. Seit 2000 ist Witzwort anerkannter Erholungsort des Landes Schleswig-Holstein. Die „Archivgruppe Witzwort“ informiert online und in Form von Veranstaltungen über die Geschichte des Orts.

LITERARISCHES

Die im benachbarten Koldenbüttel geborene Barockdichterin Anna Ovena Hoyers wuchs nach dem frühen Tod ihrer Eltern bei ihrem Onkel, dem Großgrundbesitzer Mewes Ovens, in Witzwort auf. Bereits 1599, im Alter von 15 Jahren, wurde die außerordentlich wohlhabende Erbin mit dem Staller (obersten Beamten) der Landschaft Eiderstedt, Hermann Hoyer, verheiratet. Mit ihm residierte sie im herzoglichen Schloss im nahegelegenen Tönning sowie auf Hoyerswort, dem Landsitz der Familie Hoyer in der heutigen Gemeinde Oldenswort.

Fast 300 Jahre nach Hoyers wurde auf Moordeich in Witzwort die Schriftstellerin Ingeborg Andresen geboren. Auch sie verlor früh ihre Eltern und wurde daraufhin mit ihren Geschwistern in das Witzworter Arbeiter- und Armenhaus gesteckt. Um diesen beengten Verhältnissen zu entkommen, wurde sie Lehrerin und lebte fortan in häufig wechselnden Orten in Schleswig-Holstein. Sie schrieb auf Hoch- und Niederdeutsch und hinterließ ein umfangreiches Werk, das meist in Nordfriesland angesiedelt ist. 1936 wurde sie Mitglied des nationalsozialistisch geprägten „Eutiner Dichterkreises“, und entsprechend regimetreue Themen lassen sich auch in ihren literarischen Werken nachweisen.
 

IN DER UMGEBUNG

Witzwort hat zwar selbst keinen Meerzugang, liegt aber in unmittelbarer Nähe des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, der unzählige touristische Möglichkeiten bietet. Literarisch bedeutsame Orte in der Nähe sind die Theodor-Storm-Stadt Husum in 15 km Entfernung sowie Friedrichstadt im Osten (9 km). Südlich von Witzwort befinden sich die bereits erwähnten, mit Anna Ovena Hoyers verbundenen Orte Oldenswort (6 km) und Tönning (14 km), und etwa 20 km entfernt im Zentrum der Halbinsel Eiderstedt liegt Garding.

31.03.2021 Jan Behrs