28. Liliencron-Dozentur und 3. Liliencron-Nachwuchspreis
Die dem Kieler Dichter Detlev von Liliencron gewidmete Liliencron-Dozentur wurde 1997 zum ersten Mal verliehen. Sie ist die einzige Poetikdozentur Deutschlands, die sich ausschließlich der Lyrik widmet. Als gemeinsames Projekt des Literaturhauses Schleswig-Holstein e.V. und des Instituts für Neuere Deutsche Literatur und Medien in der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel verbindet sie literarisches und akademisches Leben.
Gegründet wurde die Dozentur von Heinrich Detering, der, kurz nachdem er 1995 auf eine Professur am Kieler Institut berufen wurde, vom Kultusministerum den Auftrag erhielt, „eine Belebung des literarischen Lebens in Kiel“ und „eine Öffnung der Universität zur literarischen Öffentlichkeit hin“ anzustoßen.
Tom Schulz als 28. Liliencron-Dozent
Tom Schulz zählt zu den wichtigsten Stimmen der deutschen Gegenwartslyrik. Sehen und Erinnern, das Sprechen gegen das Vergessen und ein waches, scharfes Bewusstsein für die globale Verantwortung unserer Zeit prägen seine Gedichte. Mit großer sprachlicher Präzision und einem tiefen Gespür für gesellschaftliche und ökologische Themen öffnet er neue Perspektiven auf die Gegenwart und verbindet romantische Emphase mit poetischer Schärfe. Zwischen eindringlichem Naturerleben und politischer, bewusster Darstellung von Geschichte und Gegenwart gelingt es ihm, Bewusstsein zu schaffen für die Gefährdung der Welt. Tom Schulz, aufgewachsen in Ost-Berlin, lebt in Berlin und Italien. Er schreibt Lyrik, Prosa, Reportagen, Essays und Kritiken. Zuletzt erschien »Die Erde hebt uns auf« (2024) sowie »Briefe aus der Roten Wüste | Lettere dal deserto Rosso« (zusammen mit Maria Borio). Für sein Werk erhielt er zahl reiche Stipendien und Preise. Im Januar 2026 erscheint sein Gedichtband »Salz und Erinnern«.
Loreley Löffler als 3. Liliencron-Nachwuchspreisträgerin
Im Rahmen der Kieler Liliencron-Dozentur 2026 wird außerdem zum dritten Mal der Liliencron-Nachwuchspreis für Lyrik aus Schleswig-Holstein verliehen. Preisträgerin des im Rahmen eines Projektseminars des Instituts für Neuere Deutsche Literatur und Medien der CAU Kiel vergebenen Preises ist Loreley Löffler, geboren 2007 in Goslar. Die in Elmshorn lebende vielseitige Lyrikerin möchte dem Abitur Philosophie und Germanistik studieren. Mit dem Schreiben begann sie früh und gewann mit ihren Kurzgeschichten bereits 2023 und 2025 den Jungen Literaturpreis Schleswig-Holstein. Loreley Löffler schafft mit großer Sensibilität für Doppeldeutigkeiten und Klangqualitäten noch der alltäglichsten Wörter Texte, die auch nach mehrfacher Lektüre immer wieder neue Facetten offenbaren. Sie arbeitet in ihren Gedichten mit Humor und einprägsamen Bildern, während sie thematisch die Spannungsfelder zwischen Verfall, obsessiver Bewahrung und Schicksalsergebenheit erkundet.

